Das Klavier-Festival Ruhr ist das größte Festival für Klaviermusik weltweit. Seit seiner Gründung im Jahr 1989 vereint es jeden Sommer internationale Stars der Szene, vielversprechende Nachwuchstalente, Preisträger renommierter Wettbewerbe sowie außergewöhnliche musikalische Konzepte.
Rund 60 Konzerte in traditionsreichen Konzertsälen, in Industriedenkmälern, auf Kleinkunstbühnen und in Museen im Ruhrgebiet sowie in Düsseldorf, Wuppertal und Umgebung werden jedes Jahr von ca. 40.000 Musikfreunden besucht. Sie alle eint die Begeisterung für Klaviermusik auf höchstem Niveau.
Ob Wiener Klassiker, Barock, Romantik oder zeitgenössische Musik, ob Jazz oder Pop, Solorezital, Kammermusik, mit Band oder Orchester oder Klavier & Elektronik – das Festival bildet die gesamte stilistische und klangliche Vielfalt der Tasteninstrumente ab.
Das Fachmagazin Fono Forum bezeichnet das Klavier-Festival Ruhr als „weltweit bedeutendstes Klavierfestival“, und Starpianist Igor Levit nennt es „die beste Klavierparty überhaupt“.
ein Education-Konzertabend mit musikalischen und choreografischen Beiträgen zu Werken von Dimitri Schostakowitsch u. a.
Schülerinnen und Schüler aus Duisburg-Marxloh (Musik und Tanz)
Lorenzo Soulès (Klavier)
Roger Morelló Ros (Violoncello)
Werke von Dmitri Schostakowitsch, Béla Bartók und anderen Komponisten
Gleichberechtigte Begegnungen ermöglichen und nachhaltige Verbindungen schaffen – diese Ziele verfolgt das Klavier-Festival Ruhr mit seinen schulübergreifenden Projekten in Duisburg-Marxloh. Im Zentrum des diesjährigen Projekts stehen Werke von Dimitri Schostakowitsch aus den frühen 1930er-Jahren. Unter der Leitung von Yasha Wang erarbeiten Kinder und Jugendliche aus drei Marxloher Schulen eine Choreografie zur Musik des russischen Komponisten. Ergänzend kreieren Schüler:innen gemeinsam mit dem Bühnenbildner Sven Hansen das Bühnenbild und die Kostüme für das Projekt.
Das beeindruckende Resultat ihrer Zusammenarbeit präsentieren sie gemeinsam mit dem Pianisten Lorenzo Soulès und dem Cellisten Roger Morelló Ros auf der Bühne der Mercatorhalle.
Neben dem schulübergreifenden Projekt sind am Konzertabend weitere künstlerische Beiträge zu erleben, die im laufenden Schuljahr im Education-Programm des Klavier-Festival Ruhr mit großem Engagement erarbeitet wurden. Sie eröffnen zusätzliche Perspektiven auf Musik und Bewegung und bieten einen Einblick in die vielfältigen künstlerischen Arbeitsprozesse an den Marxloher Schulen. Entwickelt wurden die Beiträge unter der Leitung von Petra Jebavy, Cinthia Nisiyama, Erika Pico und Bianca Pulungan, in Zusammenarbeit mit Sonja Birnschein und Stephan Petersen.
„Wenn der ungarische Pianist András Schiff über die Klaviermusik seines Landsmannes Béla Bartók spricht, reiht sich ein Bild an das andere,“ schrieb die FAZ in ihrer Besprechung von „explore the score“, der multimedialen Musikvermittlungsplattform des Klavier-Festival Ruhr, für die Sir András Schiff vor fünf Jahren Stücke des ungarischen Komponisten aufbereitete.
Den ungarischen Pianisten – der mittlerweile in Florenz lebt –, den Komponisten Béla Bartók und das Klavier-Festival Ruhr verbindet also eine gemeinsame Geschichte und so können wir uns in dem Jahr, in dem sich das Klavier-Festival „Zeit für Bartók“ nimmt, auf genau diese narrativen Bilder, die András Schiff von Bartóks Musik so eindrücklich zeichnet, freuen.
Wie in all seinen Rezitalen bleibt das Programm auch in Schiffs bereits 28. Auftritt an Rhein und Ruhr ein gut gehütetes Geheimnis. Dass sein ungarischer Landsmann im Mittelpunkt stehen wird, kann er uns aber schon versprechen. Auf ihn wird Schiff durch verschiedene „Linsen“ anderer Komponisten vor und nach Bartók blicken: vielleicht zeigt er uns den Einfluss Bachs auf Bartóks Polyphonie, oder er vergleicht die große Sonatenform bei Bartók und Beethoven. Vielleicht entdeckt er gemeinsame Farben in Debussy und Bartók, oder er schlägt den ungarischen Bogen von Bartók auf dessen Nachfolger, den diesjährigen Jubilar György Kurtág.
In seinem Rezital – dem großen Finale der diesjährigen Salzlager-Residenz des Klavier-Festival Ruhr – wird Schiff spontan die passenden Werke auswählen, um diese und weitere Verbindungen zu verbildlichen, zusammen mit seinen unverwechselbar gewitzten Moderationen und einem stets verschmitzten Lächeln.
Dauer: ca. 2 Stunden
18:30 Uhr. Werkstattgespräch mit Sir András Schiff im Möbelloft
Brandt Brauer Frick ist ein Trio, das elektronische Musik radikal neu denkt. Gegründet 2008 in Berlin, verschmilzt das Ensemble repetitive Dance-Grooves mit den Klangfarben zeitgenössischer Klassik und Minimal Music. Die Musik bewegt sowohl Körper als auch Geist: Techno trifft auf Live-Instrumente, minimalistische Strukturen auf orchestrale Komplexität. Die BBC nennt das „concert hall compositions for the clubbing generation“ und The Guardian lobt das Trio als neue Gesichter des deutschen Techno.
Die drei Musiker – Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick – präsentieren in Gelsenkirchen ein Programm quer durch 17 Jahre Bandgeschichte – mit besonderem Fokus auf ihr aktuelles Album „Multi Faith Prayer Room“. Dabei entstehen Stücke, die sowohl auf der Tanzfläche als auch im Konzertsaal ihre Wirkung entfalten.
Am 4. Juli 2026 verwandelt sich die traditionsreiche Grugahalle in einen Ort musikalischer Intimität und Eleganz: Die kanadische Jazz-Ikone Diana Krall gastiert im Rahmen des Klavier-Festival Ruhr in Essen und bringt ihr unverwechselbares Zusammenspiel aus samtiger Stimme und virtuosem Klavierspiel auf die Bühne.
Diana Krall ist eine Musikerin der Superlative – die einzige Jazzsängerin, deren acht Alben direkt auf Platz eins der Billboard Jazz Albums Charts eingestiegen sind. Ihre Alben wurden mit zwei GRAMMY® Awards und zehn Juno® Awards ausgezeichnet und haben neun Gold-, drei Platin- sowie sieben Multi-Platin-Status erreicht. Ihr Album „When I Look in Your Eyes“ aus dem Jahr 1999 hielt sich unglaubliche 52 Wochen auf Platz 1 der Billboard Jazz Charts, gewann zwei GRAMMY® Awards und erreichte Platinstatus in den USA und Kanada – ein Meilenstein, der sie als feste Größe im Genre etablierte.
Ihr Album „This Dream Of You“ wurde von der Kritik gefeiert und zeigt die mühelose Virtuosität, die zu Diana Kralls musikalischem Markenzeichen geworden ist. Ihre einzigartige künstlerische Ausdruckskraft und Musikalität überschreiten die Grenzen einzelner Musikstile und machen sie zu einer der bekanntesten Künstlerinnen unserer Zeit.
„Sie ist eine der besten Jazzsängerinnen und Pianistinnen ihrer Generation und erschafft einen einzigartigen Sound, der anspruchsvolle Jazz-Sensibilität mit zeitloser Eleganz verbindet.“ – NPR
Die Grugahalle, einst Bühne für Legenden wie Ella Fitzgerald und Ray Charles, bietet den perfekten Rahmen für diesen besonderen Abend. Inmitten der pulsierenden Ruhrmetropole entsteht ein Raum für musikalische Tiefe – und für Gänsehautmomente.
Frédéric Chopin:
Barcarolle in Fis-Dur, Op. 60
Sergei Rachmaninow:
Etudes-Tableaux, Op. 33
Florence Price:
Fantasie Nègre, Nr. 1
Igor Strawinsky:
Auszüge aus „Der Feuervogel“-Suite (Arr. Guide Agosti)
und Werke von Grażyna Bacewicz und William Grant Still
Zur Freude finden, indem man Freude schenkt. Sich selbst helfen, indem man anderen hilft. Clare Hammond hat Empathie zu einer Prämisse ihres künstlerischen Schaffens gemacht: „Fast aus dem Impuls heraus beschloss ich, in Gefängnissen zu konzertieren. Ich entwickelte moderierte Einführungen, die auf die seelischen Kämpfe der Komponisten eingingen. Und genau das stellte sich als Schlüssel zum Publikum heraus. Die unruhige Energie im Raum verwandelte sich in gespannte Aufmerksamkeit, als ich von Schuberts sozialer Isolation sprach und dann sein Impromptu in Ges-Dur spielte. Ich glaube, das war der magischste Moment, den ich je bei einem Konzert erlebt habe.“
Clare Hammond wurde so mehr und mehr zur Vermittlerin und wird nicht müde zu betonen, wie nachhaltig das Konzertieren vor einem Publikum, das mit klassischer Musik kaum vertraut ist, ihr ganzes Künstlertum geprägt hat. Sie selbst könnte kaum mehr mit Musik vertraut sein, hat die Britin doch neben ihrem Klavierstudium auch eine Promotion über das Klavierrepertoire für die linke Hand abgeschlossen. Als Dr. Hammond wird man sie allerdings nirgendwo finden können, so sehr stellt sie sich selbst hinter ihren Auftrag zur Musikvermittlung und beschreibt sich als eher introvertiert.
Ganz und gar nicht zurückhaltend ist dagegen ihr bedingungsloser Einsatz für übersehene Stimmen in der Musikgeschichte und besonders für die von Komponistinnen. So sind unter anderem bedeutende Namen wie Hélène de Montgeroult und Cécile Chaminade durch sie wieder in den Konzertalltag gerückt.
Bei Clare Hammonds Debüt beim Klavier-Festival Ruhr im Haus Fuhr in Essen können wir in ihren Händen also Musik der polnischen Komponistin (und Schriftstellerin) Grażyna Bacewicz entdecken, genauso wie die in den letzten Jahren wieder bekannt gewordene Florence Price. Deren Fantasie Nègre von 1929 ist ein frühes Beispiel für die trotz aller Rassentrennung aufstrebende Vereinigung von Klassik und schwarzer Kultur in den USA der 1920er. So beruht dieses Klavierstück auf dem Spiritual „Sinner, please
don’t let this harvest pass“ und wurde von Prices ebenfalls komponierender schwarzer Mitstreiterin Margaret Bonds mit großem Erfolg in Chicago uraufgeführt.
Mit William Grant Still und Earl Wild bringt Hammond weitere Vertreter aus dem Amerika des 20. Jahrhunderts zu Gehör, mit Strawinskys Feuervogel auch einen fulminanten Abschluss ihres Rezitals, nachdem Chopin und Rachmaninow den virtuosen ersten Teil einrahmen. Zwar soll Haus Fuhr an diesem Abend eher nicht zu einem Gefängnis werden, doch können Sie auch hier magische Momente im Konzert der jungen Pianistin erleben, wenn diese mit uns gemeinsam Freude in der Musik findet.
„Das Schönste ist, wenn es mir gelingt, die Leidenschaft, die ich für diese Musik empfinde, dem Publikum zu vermitteln.“
Johannes Brahms:
Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 in G-Dur, Op. 78 „Regenliedsonate“
Leoš Janáček:
Sonate für Violine und Klavier
Amy Beach:
Romanze für Violine und Klavier, Op. 23
Sergei Prokofiev:
Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 in D-Dur, Op. 94a
Seong-Jin Cho und Augustin Hadelich haben 2025 jeweils unabhängig voneinander einen Opus Klassik gewonnen. Gemeinsam spielen sie, als hätten sie schon ihr ganzes Leben miteinander musiziert. Klavier und Geige verschmelzen zu einem lebendigen Dialog – mal zart, mal leidenschaftlich. Wenn sie unter anderem Brahms’ „Regenliedsonate“ in Bochum präsentieren, erleben wir Musik, die von selbst erzählt, überrascht und berührt.
Cho, geboren 1994 in Seoul, wurde 2015 mit dem Sieg beim Internationalen Chopin-Wettbewerb weltbekannt. Seither konzertiert er mit den führenden Orchestern der Welt und begeistert mit Interpretationen, die Klarheit und emotionale Tiefe vereinen. Hadelich, vielfach ausgezeichnet – darunter auch ein Grammy –, gilt als einer der großen Geiger unserer Zeit. Seine Kunst verbindet technische Perfektion mit einer erzählerischen Intensität, die jedes Werk zum Erlebnis macht.
Das Programm im Musikforum Bochum beginnt mit Johannes Brahms’ Sonate Nr. 1 in G-Dur, Op. 78, der „Regenliedsonate“, deren lyrische Wärme und innige Melodik sie zu einem der schönsten Werke der romantischen Kammermusik macht. Danach folgt Leoš Janáčeks Sonate für Violine und Klavier, ein Stück voller expressiver Spannung und kantiger Schönheit.
Im zweiten Teil erklingt die zarte Romanze für Violine und Klavier, Op. 23 von Amy Beach, bevor Sergei Prokofievs Sonate Nr. 2 in D-Dur, Op. 94a den Abend mit rhythmischer Brillanz und melodischer Fantasie beschließt.
mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Kent Nagano
Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 1 in f-Moll, Op. 2 Nr. 1
Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll, Op. 37
Antonín Dvořák:
Sinfonie Nr. 9 in e-Moll, Op. 95 („Aus der Neuen Welt“)
Manchmal fügt sich ein Programm so, dass man es kaum besser hätte erfinden können. Da sitzt Mao Fujita am Flügel – ein Pianist, dessen klare, kluge und zugleich packende Art ihn längst über den Status eines Geheimtipps hinaushebt. Beethoven begleitet ihn durch den Abend: zunächst intim und kammermusikalisch mit der Sonate Nr. 1 in f-Moll, Op. 2 Nr. 1, einem Werk von jugendlicher Energie und dramatischer Spannung. Danach öffnet sich der Klangraum: Im Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll, Op. 37 wird das Klavier zum Partner eines ganzen Orchesters, wenn Kent Nagano und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin die Bühne in einen Ort orchestraler Größe verwandeln.
Fujita, geboren 1998 in Tokio, wurde 2019 beim Tschaikowsky-Wettbewerb mit der Silbermedaille ausgezeichnet und gilt seither als einer der aufregendsten Pianisten seiner Generation. Seine Einspielung des gesamten Mozart-Sonatenzyklus machte ihn international bekannt. „Ich möchte, dass die Musik wie ein Gespräch klingt – ehrlich und lebendig“, sagt Fujita.
Kent Nagano ist seit Jahrzehnten eine prägende Figur der internationalen Musikszene. Der gebürtige Kalifornier leitete Spitzenorchester in Europa, Amerika und Asien und ist bekannt für seine klare, transparente Klangvorstellung und seine Fähigkeit, klassische Werke mit zeitgenössischer Relevanz zu verbinden.
Den Abschluss des Abends in der Historischen Stadthalle Wuppertal bildet Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9 in e-Moll, Op. 95 „Aus der Neuen Welt“, eine Sinfonie, die mit ihren weiten melodischen Bögen und rhythmischen Impulsen bis heute fasziniert – vertraut und doch voller Entdeckungen.
mit dem WDR Sinfonieorchester unter Leitung von Edward Gardner Zeit für Bartók
Claude Debussy:
Prélude à L’après-midi d’un faune
Béla Bartók:
Klavierkonzert Nr. 2 in G-Dur, Sz. 95
Igor Strawinsky:
Le Sacre du Printemps
Rhythmische Energie, raffinierte Orchesterfarben und eine tiefe Verbundenheit zur Volksmusik – die drei Klavierkonzerte von Béla Bartók spannen einen eindrucksvollen Bogen über seine gesamte schöpferische Entwicklung. An diesem Abend erklingt in Essen das zweite Konzert, ein Werk von atemberaubender Virtuosität und rhythmischer Schärfe, das Bartók 1931 schrieb und das bis heute als eines der anspruchsvollsten Stücke der Klavierliteratur gilt.
Am Flügel: Pierre-Laurent Aimard, einer der großen Klangforscher unserer Zeit. Bekannt für seine interpretatorische Präzision und seine Leidenschaft für die Musik des 20. Jahrhunderts, ist Aimard eine Idealbesetzung für Bartóks komplexe Klangwelt. „Ich möchte die Architektur der Musik sichtbar machen – und zugleich ihre emotionale Kraft entfalten“, sagt er.
Das Programm beginnt mit Claude Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“, einem Schlüsselwerk des musikalischen Impressionismus, das mit seinen schwebenden Farben und sinnlichen Linien den Abend eröffnet. Danach folgt Bartóks Klavierkonzert Nr. 2 in G-Dur, Sz. 95, ein Stück von eruptiver Energie und rhythmischer Prägnanz, das die Volksmusiktradition in ein modernes Klangbild überführt.
Den Abschluss bildet Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“, ein Werk, das 1913 die Musikwelt revolutionierte und bis heute als Inbegriff des musikalischen Aufbruchs gilt – archaisch, kraftvoll und von einer rhythmischen Intensität, die den Konzertsaal in einen pulsierenden Klangraum verwandelt.
Johann Sebastian Bach:
Toccata in e-Moll, BWV 914
Sergej Prokofiew:
Sonate Nr. 2 in d-Moll, Op. 14
Frédéric Chopin:
Barcarolle in Fis-Dur, Op. 60
Sonate Nr. 3 in h-Moll, Op. 58
„Ihr Klavierspiel ist zwar ein Wunder, hat aber nichts Kindliches an sich. Ihre Interpretationen sind die einer Erwachsenen, einer voll ausgeformten Persönlichkeit.“
Der Schritt vom virtuosen Wunderkind zur ernstzunehmenden Künstlerin ist oftmals kein leichter. Alexandra Dovgan jedoch war bereits mit zwölf Jahren, als sie ihr sensationelles Debüt bei den Salzburger Festspielen gab, dem Wunderkind-Status entwachsen. Ihr Mentor, der große Grigory Sokolov, stellte sie damals mit den Worten vor: „Ihr Klavierspiel ist zwar ein Wunder, hat aber nichts Kindliches an sich. Ihre Interpretationen sind die einer Erwachsenen, einer voll ausgeformten Persönlichkeit.“
„Das musikalische Ereignis scheint aus sich selbst heraus zu entstehen und nicht gespielt zu werden.“
Und Helmut Mauro schwärmte drei Jahre später in der Süddeutschen Zeitung von Dovgans „so unwiderstehlich ehrlicher Musikalität, wie man sie nur sehr selten hört. Es ist nichts Gekünsteltes in ihrem Spiel, nichts Übertriebenes oder gar Didaktisches. Das musikalische Ereignis scheint aus sich selbst heraus zu entstehen und nicht gespielt zu werden.“
Es ist beeindruckend und faszinierend, den künstlerischen Weg dieser Pianistin zu verfolgen, deren Spiel mit jedem Jahr an Ausdruckskraft und Tiefe gewinnt. Werke von Schubert und Beethoven, besonders aber auch Bach und Chopin stellt die junge Russin, die mit ihrer Familie im spanischen Malaga lebt, gerne in den Mittelpunkt ihrer Programme. Bei ihrem Auftritt in Bottrop dürfen wir uns auf Werke von Sergei Prokofiew, Johann Sebastian Bach und Frédéric Chopin in den frischen, authentischen Interpretationen der inzwischen 18-Jährigen freuen.
Frédéric Chopin:
Prélude in cis-Moll, Op. 45
Sonate Nr. 2 in b-Moll, Op. 35
Mazurka, Op. 33 Nr. 4
Mazurka, Op. 41 Nr. 2
Mazurka, Op. 63 Nr. 2
Franz Schubert:
Sonate Nr. 21 in B-Dur, D 960
Arcadi Volodos spielt, als würde sich auf dem Klavier ein ganzes Bühnenstück entfalten. Jeder Ton erzählt, jede Wendung überrascht. Virtuosität, Spannung und Tiefe verschmelzen zu einem Erlebnis, das einen unmittelbar hineinzieht ins Klanggeschehen. Selbst vertraute Werke gewinnen unter seinen Händen neue Dramatik, füllen den Raum mit Intensität – und machen jeden Moment zu etwas Einzigartigem.
Volodos, geboren 1972 in Sankt Petersburg, gilt als einer der großen Klangmagier unserer Zeit. Seine Interpretationen sind berühmt für ihre poetische Tiefe und technische Brillanz. „Ich spiele nicht für den Effekt, sondern für die Wahrheit des Klangs“, sagt Volodos – und genau das spürt man in jedem seiner Konzerte.
Das Programm beginnt mit einer Auswahl von Frédéric Chopin: drei Mazurken – in h-Moll, Op. 33 Nr. 4, in e-Moll, Op. 41 Nr. 2 und in f-Moll, Op. 63 Nr. 2 –, gefolgt vom Prélude in cis-Moll, Op. 45 und der Sonate Nr. 2 in b-Moll, Op. 35, deren berühmter Trauermarsch zu den ikonischen Momenten der Klavierliteratur zählt.
Im zweiten Teil erklingt Franz Schuberts Sonate Nr. 21 in B-Dur, D 960, ein Werk von symphonischer Weite und melancholischer Tiefe, das zu den letzten großen Schöpfungen des Komponisten gehört.
„Durch seine Arbeit als Musiker, Bandleader, Lehrer, multidisziplinärer Künstler und Wissenschaftler spielt er eine entscheidende Rolle als Bewahrer des kulturellen Erbes des Jazz“, so die Jury des Amherst College in Massachusetts, das Jason Moran im Mai 2024 zum „Doctor of Arts“ ernannte. Beim Klavier-Festival Ruhr zeigte Moran kurz darauf seinen Einsatz für die Jazztradition, indem er mit der hr-Bigband „125 Jahre Duke Ellington“ feierte.
Immer wieder setzt der Pianist sich mit verschiedenen Stilen auseinander, von Swing bis Hip-Hop, und beleuchtet sie aus neuer Perspektive, etwa mit Installationen und Multimediaprojekten. Solo am Klavier dürfte er neben eigenen auch Stücke von Altmeistern wie James P. Johnson, Fats Waller oder Jazzlegende Thelonious Monk aufführen – auf seine unverwechselbare Art.
Peter I. Tschaikowsky:
Nussknacker-Suite (Arr. Mikhail Pletnev)
Frédéric Chopin:
Nocturnes Nr. 7 in cis-Moll & Nr. 8 in Des-Dur, Op. 27
Andante spianato et Grande Polonaise brillante in Es-Dur, Op. 22
Edvard Grieg:
Aus den Lyrischen Stücken:
– Arietta & Valse aus Buch 1, Op. 12
– Erotikk aus Buch 3, Op. 43
– Trolltog („Zug der Zwerge“) & Notturno aus Buch 5, Op. 54
– llupsdag på Troldhaugen („Hochzeitstag auf Troldhaugen“) aus Buch 8, Op. 65
Claude Debussy:
Rêverie
Images, Buch 1
Nobuyuki Tsujii setzt sich ans Klavier, und plötzlich tanzen Zuckerfee, Puppen und Mäuse durch den Raum. Jeder Wirbel, jeder Sprung in der „Nussknacker“-Suite wird lebendig, mal verspielt, mal kraftvoll, immer voller Überraschungen. Man folgt den Tänzen, lacht leise mit, staunt über Details, die plötzlich aufblitzen, und merkt: Musik kann wie ein Märchen sein – voller Fantasie, Bewegung und Gefühl. Nobuyuki Tsujii lässt Tschaikowskys „Nussknacker“-Suite auf dem Klavier in leuchtenden Farben erstrahlen. Mit jedem Anschlag öffnet er neue Klangräume, in denen Magie und Präzision Hand in Hand gehen.
Tsujii, geboren 1988 in Tokio, ist längst eine Legende: Seit seinem Sieg beim Van Cliburn International Piano Competition 2009 begeistert er weltweit mit einer Kunst, die technische Brillanz und emotionale Tiefe vereint. Seine Fähigkeit, Musik auswendig zu lernen und mit unvergleichlicher Ausdruckskraft zu gestalten, macht jedes Konzert zu einem Ereignis. „Ich möchte, dass die Musik direkt ins Herz spricht“, sagt Tsujii – und genau das gelingt ihm.
Im Robert-Schumann-Saal beginnt er mit einer Auswahl aus Edvard Griegs Lyrischen Stücken: „Arietta“ und „Valse“ aus Op. 12, „Erotikk“ aus Op. 43, „Trolltog“ und „Notturno“ aus Op. 54 sowie „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ aus Op. 65 – Miniaturen voller nordischer Poesie und tänzerischer Leichtigkeit. Danach erklingen zwei Nocturnes von Frédéric Chopin (cis-Moll und Des-Dur, Op. 27) sowie das brillante Andante spianato et Grande Polonaise brillante in Es-Dur, Op. 22.
Im zweiten Teil folgt Claude Debussys „Rêverie“ und die erste Sammlung der Images, bevor Tschaikowskys „Nussknacker“-Suite in der virtuosen Bearbeitung von Mikhail Pletnev den Abend beschließt – ein Feuerwerk aus Klangfarben, das die Bühne in ein Märchenland verwandelt.
Technische Perfektion, tiefer Ausdruck und verblüffende Intuition: Wenn man Kenner und Kollegen fragt, was das Spiel von Grigory Sokolov so besonders macht, muss man sich auf eine lange Antwort einstellen. Jeder Ton wirkt bedacht, jede Wendung überraschend, jede Phrase sorgfältig geformt. Sokolov ist ein Pianist, der Technik, Ausdruck und Musikalität auf höchste Weise vereint – der ideale Künstler für das Abschlusskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2026.
Geboren 1950 in Leningrad, gewann er bereits mit 16 Jahren den Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau – ein Triumph, der den Beginn einer einzigartigen Karriere markierte. Seit seinem ersten Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr im Jahr 1993 ist er dem Festival eng verbunden: Das Konzert 2026 ist sein 26. Auftritt hier – eine beeindruckende Kontinuität, die seine besondere Beziehung zu diesem Ort unterstreicht.
Über seine Kunst sagt Sokolov: „Musik ist für mich kein Beruf, sondern ein Aspekt des Lebens. So natürlich wie Atmen. Man weiß nicht, wie man atmet – man tut es einfach. Genauso ist es mit der Musik. Sie ist Leben. Die innere Welt ist das Wichtigste, nicht die äußere Form. Vieles geschieht spontan, aber auf einer sehr hohen Stufe der Arbeit.“
Das Abschlusskonzert des Klavier-Festival Ruhr 2026 im Anneliese Brost Musikforum Bochum wird eine Begegnung mit einem Künstler sein, der Musik als existenziellen Dialog versteht – und damit jeden Ton zu einem Ereignis macht.
Das Klavier-Festival Ruhr ist das größte Festival für Klaviermusik weltweit. Seit seiner Gründung im Jahr 1989 vereint es jeden Sommer internationale Stars der Szene, vielversprechende Nachwuchstalente, Preisträger renommierter Wettbewerbe sowie außergewöhnliche musikalische Konzepte.
Rund 60 Konzerte in traditionsreichen Konzertsälen, in Industriedenkmälern, auf Kleinkunstbühnen und in Museen im Ruhrgebiet sowie in Düsseldorf, Wuppertal und Umgebung werden jedes Jahr von ca. 40.000 Musikfreunden besucht. Sie alle eint die Begeisterung für Klaviermusik auf höchstem Niveau.
Ob Wiener Klassiker, Barock, Romantik oder zeitgenössische Musik, ob Jazz oder Pop, Solorezital, Kammermusik, mit Band oder Orchester oder Klavier & Elektronik – das Festival bildet die gesamte stilistische und klangliche Vielfalt der Tasteninstrumente ab.
Das Fachmagazin Fono Forum bezeichnet das Klavier-Festival Ruhr als „weltweit bedeutendstes Klavierfestival“, und Starpianist Igor Levit nennt es „die beste Klavierparty überhaupt“.