Februar ist wieder Festivalzeit am Thalia Theater! Der renommierte Theatermacher Matthias Lilienthal übernimmt für die Ausgabe 2026 die Leitung der Lessingtage und bringt ein hochkarätiges Programm aus internationalen Gastspielen, Neuproduktionen und Begegnungsformaten nach Hamburg.
Angesichts des anhaltenden Siegeszugs rechter und rechtsextremer Kräfte in Europa wird der Begriff Postpopulismus zum roten Faden des Festivalprogramms. Dabei blickt das Festival vor allem nach Polen: Jakub Skrzywaneks Attack on the National Stary Theatre oder Marta Górnickas Mothers zählen aktuell zu den meist diskutierten Inszenierungen Polens. Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, bringt erstmals eines seiner spektakulären theatralen Prozessformate in Deutschland auf die Bühne: Was richtet die tägliche faschistische Propaganda in unseren Köpfen an? Mit ja nichts ist ok kommt die letzte Arbeit des verstorbenen Regisseurs René Pollesch nach Hamburg – die gefeierte Inszenierung mit Fabian Hinrichs war 2025 u. a. zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Mit Jagoda Marinić eröffnet eine der prägenden öffentlichen Stimmen unserer Gegenwart die Lessingtage 2026. In ihrer Rede äußert sie eindrückliche Gedanken zu gesellschaftlichen Phänomenen unserer heutigen Zeit: Wie können wir nach dem Populismus Demokratie neu beleben? Ausgehend von den politischen Entwicklungen in Europa lenken wir den Blick auf Polen, wo eine rechtspopulistische Regierung abgewählt wurde. Was lässt sich aus dieser Situation lernen? Wie bleibt Demokratie wehrhaft? Wie lässt sich gesellschaftliche Polarisierung überwinden?
Die Frage, wie Gesellschaften sich ›re-demokratisieren‹ können, durchzieht die Lessingtage – und nimmt in Jagoda Marinićs Worten ihren Anfang. Eine Einladung, gemeinsam von Erfahrungen zu lernen, Perspektiven zu öffnen und zu hören, was Freiheit heute bedeutet.
Jagoda Marinić widmet sich – in ihren Büchern, Kolumnen, Podcasts und auf Bühnen – Fragen von Freiheit, Identität und gesellschaftlichem Wandel. Als Schriftstellerin, Publizistin und Podcasterin prägt sie seit Jahren Debatten im deutschsprachigen Raum, und auch international publizierte sie u. a. in der New York Times. Mit ihrem ARD-Podcast FREIHEIT DELUXE setzt sie wöchentlich neue Impulse – und wurde für ihren arte-Talk Das Buch meines Lebens für den Grimme-Preis nominiert. 2022 erhielt sie die Auszeichnung Kulturjournalistin des Jahres und zuletzt den Ernst-Toller-Preis 2025 für ihr literarisches Werk.
Bewertungen & Berichte Eröffnungsrede mit Jagoda Marinić
Performance
Inhabilia
Class of Ari Benjamin Meyers (Kunstakademie Düsseldorf)
Während der Lessingtage wird die Klasse der Kunstakademie Düsseldorf von Künstler und Komponist Ari Benjamin Meyers ständig anwesend sein und das Thalia Theater für die gesamte Dauer des Festivals bewohnen.
Sie werden dort leben, schlafen und arbeiten. Das Foyer wird zu Küche, Wohnzimmer und Atelier. Der öffentliche Raum wird dabei in eine private Situation verwandelt und die private Situation in einen öffentlichen Raum. Besuchende sind Hausgäste und dazu eingeladen, an WG-Partys, am Buchclub oder an Wohnzimmerkonzerten teilzunehmen, ihnen beim Frühstück Gesellschaft zu leisten oder im Haushalt zu helfen. Im Kontext des kulturellen Raumes werden die verschiedenen Modalitäten eines sozialen (Lebens-)Raums performed. Im Theaterfoyer als Zuhause laden wir ein zur Teilnahme an einer Vielzahl verschiedener Interaktionen – von spontanen Happenings und Interventionen, angekündigten Aktionen bis Performances und Partys. Herzlich willkommen in diesem (temporären) Zuhause, seid hier Gast!
Sie sind Überlebende. Sie sind vor Krieg und Verfolgung Geflüchtete, Zeuginnen von Gewalt und Bombardierungen. Frauen aus der Ukraine und aus Belarus, die nun in Polen leben und gemeinsam auf der Bühne stehen und sprechen wollen. Sie nutzen die Macht ihrer Stimmen, um das zu benennen, für das es keine Worte geben kann. Dabei wollen sie nicht als Opfer, sondern als Protagonistinnen ihrer Geschichten gehört werden. Nach einer gleichermaßen umjubelten wie erschütternden Voraufführung beim Festival d'Avignon und der Weltpremiere in Warschau ist Marta Górnickas Chortheaterstück Mothers – A Song for Wartime nun in Hamburg zu Gast. Die preisgekrönte Regisseurin, die bereits mehrfach am Gorki Theater in Berlin inszenierte (u.a. Grundgesetz und Still Life), ist Gründerin des Political Voice Institute. Sie bringt Mütter aus verschiedenen Generationen und Erfahrungswelten zusammen. Ausgehend von dem traditionellen ukrainischen Ritualgesang suchen sie nach einer neuen Chorstimme. Ihr Gesang wird zu einer Anklage, einer Bitte und einer Warnung an uns und alle Menschen in Europa.
“Our performance is about women and war.
About defense mechanisms and responsibility.
About our reaction to a war in Europe.
About the rituals of wartime violence against women and civilians
which are unchanging.”
Uraufführung 29 September 2023, Teatr Powszechny, Warsaw
With Katerina Aleinikova, Svitlana Berestovska, Sasha Cherkas, Palina Dabravolskaja, Katarzyna Jaźnicka, Volha Kalakoltsava, Ewa Konstanciak, Liza Kozlova, Anastasiia Kulinich, Natalia Mazur, Kamila Michalska, Hanna Mykhailova, Valeriia Obodianska, Svitlana Onischak, Yuliia Ridna, Maria Robaszkiewicz, Polina Shkliar, Aleksandra Sroka, Mariia Tabachuk, Kateryna Taran, Bohdana Zazhytska, Elena Zui-Voitekhovskaya
Concept & direction: Marta Górnicka
Libretto: Marta Górnicka & ansamble (Ukrainians–Belarusians–Poles)
Music: Marta Górnicka, traditional Ukrainian, Belarusian and Polish music, a quotation from Mykola Leontovych’s Shchedryk
Choreography: Evelin Facchini
Stage design: Robert Rumas
Costumes: Joanna Załęska
Musical collaboration: Wojciech Frycz
Dramaturgical collaboration: Olga Byrska, Maria Jasińska
Video, video documentation: Michał Rumas, Justyna Orłowska
Video projections: Michał Jankowski
Lights: Artur Sienicki
Vocal coach: Joanna Piech-Sławecka
Stage manager and director’s assistant: Bazhena Shamovich
Choreographer’s assistant: Maria Bijak
Movement workshop: Krystyna Lama Szydłowska
Ukrainian libretto translation: Olesya Mamchych
Belarusian libretto translation: Maria Pushkina
English libretto translation: Aleksandra Paszkowska
German libretto translation: Olaf Khul
French libretto translation: Cecile Bocianowski
Ukrainian ethnomusicology consultation: Anna Ohrimchuk
Ukrainian children’s games consultation: Venera Ibragimova
In-rehearsal interpreter: Marharyta Huretskaya
Surtitles: Zofia Szymanowska
Producers: Marta Kuźmiak, Iwa Ostrowska
International tour producers: Anna Galas- Kosil, Joanna Nuckowska
Production: CHORUS OF WOMEN FOUNDATION (Warsaw), Maxim Gorki Theater (Berlin)
Sprache: Polnisch, Ukrainisch, Belarusssisch mit deutschen Übertiteln
This project is co-financed by the capital city of Warsaw and the Minister of Culture and National Heritage from the Culture Promotion Fund, and is carried out in cooperation with the Allianz Foundation.
Termine
Sa 31.1.2026, 20:00 | Ticket
So 1.2.2026, 18:00 | Ticket
Bewertungen & Berichte Mothers - A Song for Wartime
Schauspiel
Destination: Origin
von Mohammad Rasoulof
Die Theaterinszenierung von Mohammad Rasoulof verwebt die Themen Exil, Identität und künstlerische Freiheit zu einer Performance, die das Publikum dazu einlädt, über die Bedeutung von Heimat und die Kraft der Selbstbestimmung nachzudenken. Setareh Maleki, Mahsa Rostami und Niousha Akhshi, mit denen Rasoulof bereits für seinen Spielfilm Die Saat des heiligen Feigenbaums (2024) zusammengearbeitet hat, stehen nun in Destination: Origin auf der Bühne.
Genau wie Mohammad Rasoulof selbst waren sie gezwungen, den Iran zu verlassen. In Berlin am (vermeintlichen) Ziel angekommen, durchlaufen die Schauspielerinnen, ergänzt um ihre Kollegin Eli Riccardi, in der Inszenierung die Stationen ihrer Flucht.
Rasoulof, einer der profiliertesten Filmregisseure und Gewinner zahlreicher Filmpreise, fragt in Destination: Origin: Woran orientiert man sich, wenn man die Schranken der ständigen politischen Kontrolle verlässt? Worauf besinnt man sich zurück, um anzukommen in der eigenen Freiheit? Rasoulof entwirft Bilder einer Reise, in der Ziel und Ausgangspunkt verschwimmen.
»Destination: Origin« ist eine Produktion der Berliner Festspiele mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus, THEATER an der RUHR, Nationaltheater Mannheim und Thalia Theater.
Mit Niousha Akhshi, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Eli Riccardi
Text & Regie: Mohammad Rasoulof
Bühne & Kostüm: Yashi
Dramaturgie: Matthias Lilienthal
Produktionsleitung: Claudia Peters
Komponist: Karzan Mahmood
Regieassistenz: Yasi Moradi
Künstlerische Beratung des Regieteams: Amin Sadraei
Videodesign: L Wilson-Spiro
Choreografie: Laurie Young
Licht: Sebastian Zamponi
Bühne & Kostüm Assistenz: Viet Thanh Tran
Übersetzung & Übertitel: Golbarg Zolfaghari (Panthea)
Outside Eye: Sima Djabar Zadegan
Sprache: Farsi mit englischen Übertiteln
Termine
So 1.2.2026, 19:00 | Ticket
Mo 2.2.2026, 20:00 | Ticket
Ort
Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
D-22765 Hamburg
Das National Stary Theatre wird von Terroristen angegriffen. Die Gewalttat führt zu einer Reihe von Maßnahmen, die den Lauf der Geschichte Polens für immer verändern. Attack on the National Stary Theatre bringt Augenzeug*innenberichte, beschleunigte Bildwelten und neue Technologien auf die Bühne. Der Abend ist eine Zeitreise und bietet einen atemberaubenden Blick in eine alternative Geschichte Polens; und in eine bessere Zukunft. Die kollektive Erfahrung von Zerstörung und Verbrechen, so die Erzählung des Abends, führt zur Erschaffung einer »neuen Nation«.
Jakub Skrzywanek, Intendant des Narodowy Stary Theatre Krakau, ist einer der wichtigsten Regisseure Polens. In seinem Werk geht es um Trauer, um emotionale Zustände, die das Trauern begleiten, und um die Art, wie das Theater und neue Medien das Narrativ einer Tragödie gestalten. Ist es möglich, das kollektive Trauma nach einem solchen Vorfall abzuwenden? Können wir uns aus dem Korsett unserer Vergangenheit befreien? Wird die Premiere von Stanisław Wyspiańskis Befreiung, die mit dem Überfall unterbrochen wurde, doch noch zu Ende gespielt?
Produktion Narodowy Stary Theatre (Krakau)
Sprache Polnisch mit englischen Übertiteln
With Iwona Budner, Aldona Grochal, Katarzyna Krzanowska, Dorota Segda, Karolina Staniec, Zbigniew W. Kaleta, Radosław Krzyżowski, Paweł Kruszelnicki, Grzegorz Mielczarek, Przemysław Przestrzelski, Kamil Pudlik, Łukasz Stawarczyk
Director: Jakub Skrzywanek
Scriptwriter: Jan Czapliński, Jakub Skrzywanek
Dramaturgical cooperation: Dorota Semenowicz
Costumes, Scenography and Space arrangement: Natalia Mleczak
Light and Space arrangement: Aleksandr Prowaliński
Music: Karol Nepelski
Video: Natan Berkowicz
Stage manager: Zbigniew S. Kaleta
Choreography: Agnieszka Kryst
Student assistantship: Natalia Szczypiór, AST Krak, Max Nowotarski, AST Krakow, JAMU Brno
Polnisch mit englischen Übertiteln
Termine
Di 3.2.2026, 18:30 | Ticket
Mi 4.2.2026, 18:30 | Ticket
Bewertungen & Berichte Attack on the National Stary Theatre
Ballett
Giselle: A Summary
von Toshiki Okada
Der renommierte Theaterregisseur und Autor Toshiki Okada widmet sich in Zusammenarbeit mit der ehemaligen Primaballerina Hana Sakai der klassischen Ballettwelt Japans. Sakai erzählt hier die Geschichte von Giselle, einem Meisterwerk des romantischen Balletts, als YouTube-Seminar.
In der Hauptrolle Giselle war Sakai unzählige Male zu sehen. Nun begegnet sie dieser Rolle selbst als Solo-Performerin. Mit subtilem Humor gibt sie Einblick in ihre Vertrautheit mit dieser Rolle, aber auch in die Distanz, die sie im Lauf ihrer Karriere dazu eingenommen hat. In einem Moment dreht sie eine perfekte Pirouette, im nächsten parodiert sie eine YouTube-Werbung für einen Englisch- Konversationskurs. Die Grenze zwischen Wirklichkeit und Erfindung wird durchlässig, dem Publikum öffnet sich eine Welt, die zunehmend komplex und betörend erscheint.
Okada dekonstruiert das klassische Werk und setzt es neu zusammen. Im Zentrum steht dabei immer Sakai, und mit ihr eine Arbeit, die leichtfüßig und ernsthaft zugleich die Möglichkeiten von Ballett hinterfragt.
Produktion Aichi Prefectural Art Theater (Nagoya, Japan)
Direction / Text: Toshiki OKADA
Performance: Hana SAKAI, Yasutake SHIMAJI
Scenography: Ayami SASAKI
Producer: Eri KARATSU (Aichi Prefectural Art Theater / Dance Base Yokohama)
Technical Director: Yoshinori SEKOGUCHI (Aichi Prefectural Art Theater)
Stage Manager: Chikage YUYAMA
Lighting Design: Akiyo KUSHIDA
Sound Design: Raku NAKAHARA (KARABINER inc.)
Tour Coordinator: Marika NIKO (Aichi Prefectural Art Theater)
Subtitle Translation: Aya OGAWA
Organized, Developed and Produced by Aichi Prefectural Art Theater [Aichi Arts Foundation], Dance Base Yokohama [SEGA SAMMY ARTS FOUNDATION]
Subsidized by Japan Creator Support Fund
Supported by precog Inc.
Sprache: Japanisch mit englischen Übertiteln
Termine
Fr 6.2.2026, 20:00 | Ticket
Sa 7.2.2026, 20:00 | Ticket
Ort
Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
D-22765 Hamburg
von Michiel Vandevelde, Pankaj Tiwari und Eneas Prawdzic
Sie sind unzufrieden, lehnen die heutige Gesellschaftsordnung ab und haben zuletzt rechts gewählt: junge Männer. Kaum eine Bevölkerungsgruppe trägt stärker zum Vormarsch rechter Parteien bei – weltweit und auch hierzulande. Nach Arbeiten mit linken Jugendlichen sind Vandevelde, Tiwari und Prawdzic diesmal ins gegnerische Milieu eingetaucht. Entstanden ist ein streitbares und physisches Theaterstück mit fünf jungen Männern. Sie fordern das Ende der liberalen Demokratie und glauben, bald in der Mehrheit zu sein.
Mit Violenza 2025 ist „ein starkes, phasenweise kaum erträgliches Mahnstück“ (Salzburger Nachrichten) gelungen, eine verstörende Vorschau auf das, was kommen könnte, wenn sie mit ihrer Prognose recht behalten.
Darsteller: Jakob, Lukas, Max, Nick und Rafael
Regie: Eneas Prawdzic, Pankaj Tiwari und Michiel Vandevelde
Choreografie, Bühnenbild und Licht: Michiel Vandevelde
Technik: Maxim Van Meerhaeghe
Übertitel: Anna Leader
In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst ’25
Mit freundlicher Unterstützung der Regierung Flanderns und der Gaulhofer Industrie-Holding
Achtung: Die Performance verwendet Stroboskoplichter, die bei Personen mit photosensitiver Epilepsie zu Unbehagen oder Anfällen führen können. Das künstlerische Team möchte das Publikum darauf hinweisen: Das Stück enthält explizit rassistische, sexistische und rechtsextreme Sprache.
Sprache: Deutsch mit englischen Übertiteln
Termine
Sa 7.2.2026, 19:00 | Ticket
So 8.2.2026, 18:00 | Ticket
Wie soll mit unserem digitalen Erbe umgegangen werden? Welche Überreste unserer täglichen Interaktionen im World Wide Web hinterlassen wir, und wie weit reicht unsere Verantwortung dafür?
In [EOL]. End of Life lädt das Regie-Duo DARUM, das mit der Arbeit zum Berliner Theatertreffen 2025 eingeladen war, zu einer außergewöhnlichen Reise in virtuelle Zwischenwelten ein. Ein limitierter Raum von 9,6 m² wird für die Teilnehmenden, ausgestattet mit einer VR-Brille, zu einem unüberschaubaren Metaversum, in dem es zu entscheiden gilt, was endgültig gelöscht und was ins Metaversum übernommen werden soll. Je tiefer man eintaucht, desto stärker verschwimmen die Grenzen zwischen realer und digitaler Existenz. DARUM stellen mit ihrer Arbeit die Frage, wie wir im Netz erinnert werden (wollen) – und wer eines Tages über unser digitales Erbe entscheidet.
Nur wenige Tickets: Eine intensive, exklusive Erfahrung, die pro Termin jeweils zehn Personen parallel in Einzelräumen ermöglicht, als »Freelancer« eines fiktiven Großkonzerns in die Ruinen eines zerfallenen Metaversums einzutreten.
Regie & Story: DARUM (Victoria Halper & Kai Krösche)
3D-Architektur & Ausstattung (Virtual Reality): Mark Surges
Musik: Arthur Fussy
Ausstattung (Liveperformance): Matthias Krische
Texte: Kai Krösche
Character Design & Animationen, Kostümdesign, Photogrammmetrie Scanning, Motion Capturing und Videos: Victoria Halper
3D-Object-Animationen: Kai Krösche, Mark Surges
Creative Coding, Motion Capturing, Lichtdesign & ergänzendes Sounddesign: Kai Krösche
Testing & künstlerisches Feedback: David Rosenberg, Matthias Krische, Matthias Seier, Arthur Fussy, Armin Kirchner, u.a.
Mit Victoria Halper, Kai Krösche, James Stanson
Eine Koproduktion von DARUM und brut Wien.
Gefördert von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA7) und dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport.
Die Konzeptentwicklung von [EOL]. End of Life wurde durch eine Residency am Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Deutschland unterstützt.
Englisch, 90-minütige Zeitslots
Termine
Mo 9.2.2026, 14:00 - 22:00 | Ticket
Di 10.2.2026, 12:00 - 20:00 | Ticket
Mi 11.2.2026, 12:00 - 20:00 | Ticketund weitere Termine
Do 12.2.2026, 12:00 - 20:00 | Ticket
Fr 13.2.2026, 12:00 - 20:30 | Ticket
Sa 14.2.2026, 12:00 - 20:30 | Ticket
So 15.2.2026, 12:00 - 20:00 | Ticket
Ort
Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
D-22765 Hamburg
In ihrer letzten gemeinsamen Arbeit widmen sich René Pollesch und Fabian Hinrichs der Tragik und Absurdität modernen Daseins. In seinem Solo verkörpert Hinrichs eine ganze Wohngemeinschaft –viele auf einmal und doch nur sich selbst. Pollesch zeigte in ja nichts ist ok kurz vor seinem plötzlichen Tod noch einmal, warum er zu den einflussreichsten Theatermacher*innen seiner Zeit gehörte. Eine Berliner Zweck-WG wird hier zum Schauplatz globaler Krisen, zum Ort, an dem Alltagschaos und Weltpolitik aufeinandertreffen. Hinrichs springt mit Humor und Hingabe zwischen den Figuren, lässt sie über Unordnung und die große Frage nach dem richtigen Leben streiten. In dieser absurden und zugleich berührenden Arbeit zeigt sich die ganze Ratlosigkeit des Menschen im21. Jahrhundert und seine ungebrochene Sehnsucht nach Verbindung.
ja nichts ist ok – ein Vermächtnis zweier Künstler, die das Theater unserer Zeit geprägt haben. Die Inszenierung war 2025 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Mit Fabian Hinrichs
Statist:innen Nadine Ahlig, Farid Fleschmann, Niels Förster, Estanislao Gonzalez, Eva Günther, Kristina Hartmann, Sonja Holst, Manuel Klauser, Ingeborg Koch, Barbara Korte, Marion Lanzerstorfer, Christine Masuhr, Sebastián Pont Vergés, Berit Scheerer, Klaus Schneider, Lotte Selier, Alex Sommerfeldt, Oliver Walter, Sonja Maria Célestine Weeke
Text: René Pollesch
Bühne: Anna Viebrock
Kostüme: Tabea Braun
Licht: Frank Novak
Dramaturgie: Anna Heesen, Johanna Kobusch
Produktion: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz (Berlin)
Uraufführung am 11. Februar 2024, Große Bühne
R: (am Telefon): Warst du denn jetzt beim Arzt? Darüber hast du mir nichts geschrieben. (…) Du musst da hingehen, was ist denn los mit dir, was machst du denn? (…) Wo bist du denn jetzt gerade? (…) Warst du denn bei der AOK? (…) Also du bist gerade nicht in der Verfassung zum Arzt zu gehen willst du sagen oder? (…) Wie lange hat denn der Chirurg auf, weißt du das, hast du das gesehen? (…) Oh man ey, man, man (…) Thomas, Thomas, hör mal zu, hi, hörst du mich? Also, ich bin jetzt doch früher zuhause als ich dachte, ich bin so 13:30 Uhr zuhause. Ich kuck jetzt mal, wie lange der Ullrich aufhat, ja? Du musst da noch hin, ich versteh nicht was du … Du denkst jetzt, du hast jetzt nen Verband und damit ist es getan, die haben dir doch gesagt, du musst dringend zum Chirurgen, die müssen dir den Finger aufschneiden. Nein hör auf, Thomas! Thomas! Du gehst da jetzt weg! Du hörst jetzt auf, du spinnst wohl, du hast doch nen Knall! Hör auf diese Anfälle zu kriegen, echt!
(F kommt wieder)
Du musst dich jetzt beruhigen! Du musst dich jetzt beruhigen! Ich bin in einer Stunde zuhause, ja? Ja? Hast du gehört? 13 Uhr 30 bin ich zuhause. Ja? Ok. Ja ok gut.
Ok bis dann, ja? (Legt auf)
Oh mein Gott, oh mein Gott.
Der hat ne Blutvergiftung, der soll zum Chirurgen, er ist nicht gegangen!
F: Blutvergiftung ist super gefährlich.
R: Ja, ja!
F: Ne Sepsis.
R: Ja!
F: Ganz viele Menschen sterben an ner Sepsis!
R: Ich weiß, ja!
F: Das ist meine Riesenangst!
R: Ja!
F: Dass man unbemerkt ne Sepsis hat. Das wissen viele gar nicht. Das Schlimme an ner Sepsis ist, das geht dann ganz schnell.
R: Ja!
F: Ist es schon halb?
L: Es ist schon 36.
F: Sechsunddreißig?? Das ist ja furchtbar.
R: Ich hab doch gesagt zwölf Uhr siebenundzwanzig vor neun Minuten! Man man man
F: Also
R: Geh jetzt!
F: Ich weiß nicht, wie man das ‒
R: Ich weiß gar nicht, wovon du redest gerade ‒ geh jetzt!
L: Geh!
F: Also theoretisch wäre das ja so, man würde Dialoge haben und man würde die ganze Zeit Schreie und Bomben im Hintergrund hören. Was wir natürlich nicht machen. Aber für mich, in meinem Kopf, ist dieser Sound immer da. Ich hab ne tolle Zeit mit meinen Kindern, wir weinen ja nicht dauernd zuhause, wir haben wirklich ne schöne Zeit gerade. Wir spielen auch irgendwelche Spiele und ich sag nicht dauernd: Aaron, bitte. Du kannst doch jetzt nicht lachen. Wir können doch jetzt keine Witze ‒ ich hatte auch das Witzebuch mit! Das hab ich noch aus seinem Zimmer geholt. Hier!
Termine
Di 10.2.2026, 19:30 | Ticket
Mi 11.2.2026, 19:30 | Ticket
Milo Raus spektakuläre theatrale Prozessformate zählen längst schon zu den Klassikern des politischen Theaters. In Hamburg nimmt sich der Regisseur, Autor und Festivalintendant nun –gemeinsam mit Mia Massmann und Robert Misik – in einem Prozess gegen Deutschland die aktuellen Zustände vor. Ist ein Verbot der AfD möglich, ja rechtlich geboten, weil sie »aggressiv kämpferisch« die Demokratie bedroht? Verstößt sie fortgesetzt gegen das Grundgesetz, indem sie mit allen Mitteln die Meinungsfreiheit ihrer Kritiker*innen bekämpft? Diese Fragen werden genauso im Mittelpunkt der juristisch-theatralen Untersuchung stehen wie der Missbrauch des Rechts durch SLAPP-Klagen und die Welt des Techno-Faschismus, die MAGA-Propagandawalze des Silicon Valley und das mediale Ökosystem rechtsextremer Gehirnwäsche – in Deutschland und auch international. Erfüllen die Propaganda und die pro-russischen Netzwerke der Neuen Rechten gar Tatbestände wie etwa »Verabredung zum Landesverrat«?
Als Mischform aus hartem Realismus und sozialer Plastik erzeugen Milo Raus theatrale Diskursformate „ein Forum fernab politischer Grabenkämpfe“ (SRF). Akteure sind keine Schauspieler, sondern echte Spitzenjuristinnen, echte Anklägerinnen, echte Verteidiger, und Experten, Protagonistinnen, Skandalfiguren, Influencer, Betroffene und Opfer. Die Wiener Prozesse der Wiener Festwochensaison 2024 wurden als „Orgien des Zuhörens“ und als „flächendeckendes Stadtgespräch in Wien“ gefeiert (Süddeutsche Zeitung).
Wichtiger Hinweis:
Der dreitägige Prozess gegen Deutschland ist aufgeteilt in fünf Verhandlungstermine: Die Eröffnung, Fall 1, Fall 2, Fall 3 und die Schlüsssitzung – jede Sitzung eröffnet dabei neue Aspekte.
Produktion: Thalia Theater
Idee & Regie: Milo Rau
Recherche, Casting & Dramaturgie: Mia Massmann, Robert Misik
Videokonzept: Moritz von Dungern
Sprache: Deutsch und Englisch
Termine
Fr 13.2.2026, 19:30 | Ticket
Sa 14.2.2026, 11:00 | Ticket
Sa 14.2.2026, 15:30 | Ticketund weitere Termine
So 15.2.2026, 11:30 | Ticket
So 15.2.2026, 15:30 | Ticket
Februar ist wieder Festivalzeit am Thalia Theater! Der renommierte Theatermacher Matthias Lilienthal übernimmt für die Ausgabe 2026 die Leitung der Lessingtage und bringt ein hochkarätiges Programm aus internationalen Gastspielen, Neuproduktionen und Begegnungsformaten nach Hamburg.
Angesichts des anhaltenden Siegeszugs rechter und rechtsextremer Kräfte in Europa wird der Begriff Postpopulismus zum roten Faden des Festivalprogramms. Dabei blickt das Festival vor allem nach Polen: Jakub Skrzywaneks Attack on the National Stary Theatre oder Marta Górnickas Mothers zählen aktuell zu den meist diskutierten Inszenierungen Polens. Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, bringt erstmals eines seiner spektakulären theatralen Prozessformate in Deutschland auf die Bühne: Was richtet die tägliche faschistische Propaganda in unseren Köpfen an? Mit ja nichts ist ok kommt die letzte Arbeit des verstorbenen Regisseurs René Pollesch nach Hamburg – die gefeierte Inszenierung mit Fabian Hinrichs war 2025 u. a. zum Berliner Theatertreffen eingeladen.